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Das Kreuz mit dem Kreuz

Bild Kassenrezept

Kassenrezept

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Bei der Ausstellung eines Kassenrezeptes hat der Arzt die Möglichkeit, vor dem verordneten Präparat ein Kreuz in das so genannte „Aut idem“-Kästchen zu setzen (siehe Pfeil in der nebenstehenden Abbildung). „Aut idem“ ist der lateinische Ausdruck für „oder ein Gleiches“. Wenn der Arzt dieses Kästchen ankreuzt, bringt er damit zum Ausdruck, dass die Apotheke nur exakt dieses Präparat herausgeben darf, also etwa „100 Tabletten Delix à 10 mg mit dem Wirkstoff Ramipril von der Firma Sanofi-Aventis“. Ist das Kreuz nicht gesetzt, bedeutet das, dass auch ein wirkstoffgleiches Präparat einer anderen Firma, z.B. „Ramipril 10 mg von ratiopharm“ herausgegeben werden darf. Ein weiteres Beispiel: der Arzt hat „Amlodipin-Tabletten zu 10 mg von Hexal“ aufgeschrieben, der Apotheker kann „Amlodipin-Tabletten zu 10 mg von CT“ herausgeben.

Was sind die Gründe für diese zunächst umständlich erscheinende Regelung?

 


Die Beispiele machen klar, dass ein Hauptgrund für die Regelung in der Reduktion von Arzneimittelkosten besteht. Angesichts steigender Gesundheitskosten ist dies eine notwendige Maßnahme, um unser Gesundheitssystem weiterhin bezahlbar zu halten. Die Grundlage dafür ist das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG), das am 1.1.2011 in Kraft getreten ist. Darin werden mehrere Verfahren angeordnet, die eine Reduktion der Arzneimittelkosten zum Ziel haben. Um es noch einmal zu verdeutlichen: der Apotheker ist gesetzlich verpflichtet, das günstigste Medikament herausgeben, sofern keine medizinischen Gründe – die der Arzt durch das Aut-idem-Kreuz dokumentiert – dagegen sprechen. Würden wir Ärzte „aus Gefälligkeit“ das Kreuz häufiger setzen (was für uns erheblich einfacher wäre!!), würden wir uns selbst in Regressgefahr bringen, das heißt: wir müssten die von uns verordneten Medikamente unter Umständen zum Teil aus eigener Tasche zahlen. Die Krankenkassen, die den Patienten gegenüber auf Nachfrage immer mitteilen „wir bezahlen alles, was Ihr Arzt Ihnen verordnet“, verschweigen diese Tatsache in der Regel. Die Kassenärztlichen Vereinigungen empfehlen übrigens schon seit Langem, nur Medikamentenwirkstoffe zu verordnen (also etwa „Ramipril-Tabletten à 10 mg, 100 Stück“).

Das AMNOG bestimmt auch, dass ein Patient, der aus persönlichen Gründen ein bestimmtes Medikament haben möchte, es aber keine medizinischen Gründe dafür gibt, dieses in der Apotheke verlangen kann und dann zunächst selbst bezahlen muss (Stichwort „Kostenerstattung“). Die Rechnung kann er dann bei seiner Krankenkasse einreichen. Aber Achtung: die Krankenkasse erstattet dann nur den Preis für das günstigste verfügbare Medikament; unter Umständen muss ein erheblicher Teil der Kosten vom Patienten selbst getragen werden. Ich rate von diesem Vorgehen ab.

Gibt es nun ernsthafte Argumente gegen diese geschilderten Regelungen? Aus meiner Sicht nicht, denn


Zusammenfassung


1. Das Setzen des „Aut-idem-Kreuzes“ ist nur in Einzelfällen medizinisch erforderlich. In der Regel setze ich es daher nicht

2. Die Qualität der Versorgung mit Medikamenten ist durch die Austauschregelung nicht beeinträchtigt

3. Die Umsetzung der Regelung führt häufig zu Irritationen und Diskussionen. Angesichts der Kostenexplosion im Gesundheitswesen müssen wir alle das ertragen – wir Ärzte, die wir häufig aufwändige Erklärungen liefern müssen, und Sie als Patienten, die Irritationen durch häufig wechselnde Medikamentennamen, -farben und -schachteln hinzunehmen gezwungen sind.


Diesen Text können Sie sich hier als pdf-Dokument herunterladen: Aut idem [23 KB]
Weitere Informationen zum AMNOG finden Sie hier: http://www.bmg.bund.de/krankenversicherung/arzneimittelversorgung/arzneimittelmarktneuordnungsgesetz-amnog.html

Letzte Änderung am Samstag, 6. März 2021 um 10:34:27 Uhr.